Meinungsfreiheit wird vorgelebt. Nicht am Stammtisch, sondern in den Medien. Genauer: In der Unterhaltung.
Zwar lachen wir darüber, dass in heutigen Hollywoodproduktionen nur Leinwandbösewichte rauchen und Sex nur unter der Decke stattfindet, aber in Serien und TV-Shows sieht es ganz anders aus: Selbstverständlich darf Denny Crane, Gründer der Kanzlei Crane, Poole & Schmidt, pro-life, pro-guns und pro-Bush sein, mit Paintballpistolen auf Obdachlose und Rotchinesen schießen und seinen Lebensstil mit „rich people tend to do such things“ rechtfertigen. Und auch im Vereinigten Königreich darf Jeremy Clarkson den Motorsound eines Mercedes mit dem einer Spitfire vergleichen, mit Panzerabwehrrakten auf Gebrauchtwagen schießen und jedes Produkt des VW-Konzerns als Endsieg des Führers darstellen.
Doch was bekommen wir im Fernsehen, dem größten Unterhalter unserer Zeit, vorgesetzt? Profillosen Einheitsbrei: Angefangen bei der Sportberichterstattung, in deren Rahmen kein Unterschied in der Stimmlage des Kommentators festzustellen ist, unabhängig davon, ob die deutsche Elf gegen England 3:2 führt oder 0:4 zurückliegt. Aber gut, nehmen wir an, es sei objektive Berichterstattung und der Reporter wurde in der Schweiz geschult, wieso erhält er dann den Titel „Kommentator“?
Schalten wir um: Polittalkshows. Spätestens seit Struck und Lammert bei Hart aber fair fraternisierten und sich gemeinschaftlich gegen Gregor Gysi stellten, ist auch hier klar: Auch hier nur Gewäsch, wie man es aus Berlin gewöhnt ist. Mittlerweile muss der WDR nicht mal mehr als „Radio Moskau-West“ tituliert werden, aus der Politik gibt es tatsächlich nichts anderes zu berichten.
Zappen wir weiter: Deutschland, deine Teenies; Die Super-Nanny; We are Family – das Prekariat bekommt Gelegenheit, sich selbst beim Vegetieren zuzusehen. Programm, so inhaltsleer wie die Beleidigungen, die vor der Kamera ausgetauscht werden.
Spätabends findet man wochentags dann doch noch Meinung, sogar im öffentlich-rechtlichen Bereich: In der Satire. Da es aber eo ipse keine konservative Satire geben kann, muss man zwar schmunzeln, fühlt sich aber noch immer nicht vertreten!
Ich möchte im Fernsehen nicht die Nuancen in den Ansichten von Frank Plasberg und Claus Kleber suchen, ich will Meinungsmache! Ich will einen Kommentator, der sagt, dass die globale Erwärmung Humbug und die Linkspartei ein Haufen Kommunisten seien. Wieso höre ich nicht, dass die NPD ein Auffangbecken für Versager sei und die soziale Marktwirtschaft verhandelbar? Ich will Protagonisten, die Farbe bekennen, Überzeugung, Glauben und Glaubwürdigkeit besitzen. Ich will einen Autotest sehen, in dem der Mini einen Citroen schlägt, „wie damals, 1815“!
Statt dessen zeigt uns NRW.TV ab zwölf Filme an der Grenze zur Pornographie und Helmut Schmidt darf bei Kerner rauchen – damit sind die Vorzüge der deutschen Medienlandschaft im internationalen Vergleich aber auch aufgezählt.
Solange ich für den Exkurs „freie Meinungsäußerung“ auf britische oder US-amerikanische Unterhaltungs- oder Informationsprogramme zurückgreifen muss, spare ich mir die Fernseh-Rundfunkgebühren und gebe Youtube und Amazon den Vorzug. Letztlich ist das das Einzige, was hilft: Die Abstimmung mit den Füßen – weg vom Einheitsbrei. Leider merkt nur keiner, dass die Mattscheibe für mich dunkel bleibt.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen