Mittwoch, 26. Mai 2010

Überraschungsbesuch

 Luxemburg - europäisches Wunderland, nahezu unbeeindruckt von der Wirtschaftskrise, kollektiver Karlspreisgewinner und überhaupt Shangri-La für den jungen Europäer an sich. Doch im letzten Wahlkampf meldet sich ein tot geglaubter zurück:
"Guten Morgen, da bin ich wieder!" - Erneut geht ein Gespenst in Europa um - das Gespenst des Kommunismus. Aber wer glaubt heute noch an Kommunismus, eigentlich geht es um Sozialismus, die Diktatur des Proletariats.
Im Osten des Großherzogtums - in sofern würde der Kommunismus dort quasi direkt an die Feudalherrschaft anschließen - zeigt sich das wahre Gesicht der neuen Linken, die sich der Einfachheit halber auch direkt so nennen: "Reichtum für alle" und "Reichtum besteuern" stehen direkt nebeneinander. Im Fahrwasser dazu ein Werbespot, der an die Erfolgsfilm "Die fetten Jahre sind vorbei" anknüpft: Einer Villa wird die Scheibe eingeworfen. Im Abspann wird eingespielt: "So besser nicht." Die Wahl der Linken wird als bessere Alternative zum offenen Kampf gegen die wirtschaftlich Erfolgreichen gesehen.
Die offensichtlich inhaltsarme Argumentation der Plakate, die sich nach einem Durchlauf selbst in den Schwanz beisst, ist schlimm genug. Allerdings ist es nicht verwunderlich, dass ein Land, in dem jeder ein T-Aktien- oder Lehman-Opfer kennt, kein Wunder, dass sich die wirtschaftliche Kurzsichtigkeit des Wahlvolks auch auf sein Votum bezieht.
Der Spot jedoch trägt noch eine ganz andere Botschaft in sich: Der soziale Frieden ist nicht unantastbar. Allein die Verwendung des Komparativs drückt zumindest ein Tolerieren, wenn nicht gar ein Gutheißen von Straftaten aus.
Während sich also die rechtsextremistischen Parteien um ein betont bürgerliches Auftreten bemühen - was ihnen, meistens zur allgemeinen Erheiterung, nur selten gelingt, versucht die Linke gewaltbereite Extremisten um ihr Banner zu scharren. Nachdem die 68er also den Marsch durch die Institutionen beschritten habe, wird nun der Kampf zurück auf die Straße getragen.

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